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Technologie

Globalisierung, Urbanisierung, Digitalisierung, Ressourcenknappheit, erneuerbare Energien und der weltweit wachsende Mobilitätsbedarf führen zu veränderten Marktanforderungen. Die sich in diesem Zuge wandelnden EcoSysteme erfordern einen ganzheitlichen Kompetenzaufbau von der Energieerzeugung, über die Energiebereitstellung bis hin zur Energienutzung. Vor diesem Hintergrund setzt die Technologie-Funktion der Schaeffler Gruppe auf eine kontinuierliche Verbesserung bestehender sowie die Erschließung völlig neuer Technologien.

Mehr Informationen siehe Kapitel „Konzernstrategie und -steuerung“.

Die Schaeffler Gruppe profitiert dabei von ihrer langjährigen Erfahrung und Expertise in der Produkt- und Systementwicklung. Als Zulieferer komplexer Module und kompletter Systemlösungen wird die Schaeffler Gruppe diese Kompetenz unter Beibehaltung des etablierten Komponentengeschäfts weiter ausbauen. Ziel ist es, die Technologieführerschaft der Schaeffler Gruppe abzusichern sowie Kunden weltweit durch die Bereitstellung von innovativen anwendungs- und kundenorientierten Systemlösungen aus einer Hand nachhaltig zu begeistern.

Organisatorisch umfasst die Technologie-Funktion die Bereiche Corporate F&E Management, Technologie Strategie & Innovation, F&E Prozesse, Methoden & Tools, F&E Kompetenz & Services, den Gewerblichen Rechtsschutz, die Oberflächentechnologien sowie die Informationstechnologie und die Koordinationsstelle Digitalisierung. Im Geschäftsjahr 2017 wurde zudem der Organisationsbereich Strategische IT geschaffen.

F&E der Schaeffler Gruppe

Mit durchschnittlich 7.634 F&E-Mitarbeitern (Vj.: 7.121) in 18 F&E-Zentren (Vj.: 17) und an weiteren F&E-Standorten in insgesamt 24 Ländern gestaltet die Schaeffler Gruppe den technologischen Fortschritt für die „Mobilität für morgen“ aktiv mit. Mit 2.316 Patentanmeldungen beim Deutschen Patent- und Markenamt belegte die Schaeffler Gruppe 2016 zum vierten Mal in Folge den zweiten Platz auf der Rangliste der innovativsten Unternehmen. Die Innovationskraft des Unternehmens lässt sich auch anhand der mehr als 3.294 internen Erfindungsmeldungen im Jahr 2017 (Vj.: 2.950) belegen. Die Schaeffler Gruppe erwartet auf dieser Basis auch für 2017 wiederholt eine gute Positionierung unter den innovativsten Unternehmen Deutschlands.

Neben der zentralen Forschung und Entwicklung umfassen die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Schaeffler Gruppe die anwendungsorientierte Entwicklung in den Sparten Automotive OEM, Automotive Aftermarket und Industrie.

Aufwendungen für Forschung und Entwicklung

2013
2014
2015
2016
2017
Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (in Mio. EUR)
611
622
673
751
846
F&E-Quote
5,5 %
5,1 %
5,1 %
5,6 %
6,0 %
Anzahl der Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung1)
6.039
6.387
6.651
7.121
7.634

1) Durchschnittszahlen

Zentrale Forschung und Entwicklung: Die den Sparten vorgelagerte zentrale Forschung und Entwicklung ermöglicht langfristige kunden- und marktspezifische technische Lösungen sowie die Förderung des bereichsübergreifenden Wissenstransfers. Die zentralen F&E-Aktivitäten folgen einem systematischen Prozess, der sich am Produktlebenszyklus orientiert und eine höhere Entwicklungsgeschwindigkeit ermöglicht. Das generierte fachspezifische Wissen wird in den Kompetenzzentren der Schaeffler Gruppe gesammelt und gebündelt, wodurch eine höhere fachliche Tiefe der Produktentwicklung sowie schnelle und valide Entscheidungen gewährleistet sind.

Einen Schwerpunkt der zentralen F&E-Aktivitäten bildet die ganzheitliche Erschließung der Energiekette – von der Energieerzeugung aus vornehmlich erneuerbaren Energien über die Energiespeicherung bis zur Energienutzung. Auf der Seite der Energieerzeugung werden z. B. im Windkraftbereich reibungsarme Lager entwickelt, durch die Verschleiß reduziert und damit die Einsatzdauer verlängert wird. Darüber hinaus wird der Einstieg in eine industrialisierte Brennstoffzellentechnologie vorbereitet. Bestehende Kompetenzen in Technologien wie dem Umformen, Beschichten und der Montage werden genutzt, leistungsfähige metallische Bipolarplatten, ein zentraler Bestandteil von Brennstoffzellen, zu entwickeln und herzustellen.

Kooperationen: Die zentralen F&E-Aktivitäten werden von einem globalen Innovationsnetzwerk getragen, das einen wesentlichen Beitrag für die weltweite Technologieführerschaft der Schaeffler Gruppe leistet. Kooperationen mit Universitäten im Rahmen der sog. „Schaeffler Hub for Advanced Research“ (SHARE) sichern nach dem „Company on Campus“ Konzept die konsequente Erschließung von Zukunftstechnologien. So konzentrieren sich SHARE at FAU (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) auf Digitalisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette, SHARE am KIT (Karlsruher Institut für Technologie) auf Elektromobilität, Leichtbau und Energiespeicher (Batterie und Brennstoffzelle) und SHARE at NTU (Nanyang Technological University, Singapur) auf individuelle urbane Mobilität. Im Geschäftsjahr 2017 hat die Schaeffler Gruppe mit der Einweihung des SHARE an der Southwest Jiaotong University (SWJTU) im chinesischen Chengdu ihre weltweite Präsenz an Hochschulen erweitert. Diese Kooperation mit einer der weltweit renommiertesten Universitäten für den Bereich „New Generation Railvehicle“ fokussiert auf die Forschung und Entwicklung von Mobilitätskonzepten für den Schienenverkehr. Zudem arbeitet Schaeffler seit vielen Jahren erfolgreich mit verschiedenen Fraunhofer-Instituten zusammen. Im Geschäftsjahr 2017 wurde nun eine übergreifende strategische Partnerschaft mit der Fraunhofer-Gesellschaft eingegangen, um Technologien noch schneller und zielgerichteter in die praktische Anwendung zu überführen.

Ergänzt wird dieses Innovationsnetzwerk durch die Vernetzung mit Start-up-Unternehmen. Viele Innovationen im Produkt- und Prozessbereich sowie neue Arbeits- und Geschäftsmodelle entstehen in Start-up-Unternehmen. Gemeinsam mit den Stärken und der Erfahrung von Schaeffler werden Ideen effizient zu marktfähigen Produkten und Dienstleistungen weiterentwickelt. Zu einem intensiven Austausch mit Start-up-Unternehmen betreibt Schaeffler ein Büro im Silicon Valley und kooperiert mit dem Start-up Campus Factory Berlin sowie dem Tech-Incubator ZOLLHOF Nürnberg. Die Innovationskraft und daraus resultierende Produkte wurden im Geschäftsjahr 2017 mit u. a. dem PACE Award sowie dem AutomotiveINNOVATIONS Award ausgezeichnet.

Ein Beispiel für die zentralen Innovationsaktivitäten bildet der Bio-Hybrid. Zur Bewältigung des zunehmenden Verkehrsaufkommens in Ballungszentren wird intermodaler Verkehr auf engem Raum mit reibungslosem Wechsel zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln zunehmend bedeutend. Schaeffler bietet mit dem Konzept des Bio-Hybrids eine innovative Lösung, dessen Größe und Reichweite zwischen einem Pedelec und Elektro-Pkw liegen. Aus dem zunehmenden Personenverkehr resultiert ein weiteres Zukunftsthema: Autonomes Fahren. In öffentlich geförderten Projekten forscht Schaeffler am Forschungsstandort SHARE am KIT auf diesem Gebiet. Die Ergebnisse können nicht nur in Richtung autonomes Fahren genutzt werden. So konnte bspw. auch die Energieeffizienz für die Lenkkraftunterstützung erhöht werden, wodurch der Verbrauch des Fahrzeugs abnimmt.

F&E in der Sparte Automotive OEM

Die Megatrends Globalisierung und Urbanisierung machen neue Formen der Mobilität notwendig. Der Klimawandel und die zunehmende Ressourcenknappheit erfordern eine Reduzierung des Energieverbrauchs. Diese Herausforderungen bieten für die Schaeffler Gruppe große Chancen und bestimmen das gegenwärtige Entwicklungsumfeld im Automotive-Bereich. Neben den rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugen wird ein Großteil des Fahrzeugbestandes zukünftig hybrid angetrieben. Insbesondere in den nächsten Jahren werden auch konventionelle Antriebe in weiterhin großen Stückzahlen gefragt sein. Im Rahmen seiner Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten strebt das Unternehmen daher an, die Effizienz von Verbrennungsmotoren zu steigern, um Schadstoff-Emissionen zu reduzieren.

Für die nächsten Jahre erwartet die Schaeffler Gruppe einen kontinuierlichen Anstieg elektrifizierter Fahrzeuge. Das Thema E-Mobilität ist vor diesem Hintergrund eine der zentralen Zukunftschancen neben Industrie 4.0 und Digitalisierung im Rahmen der Strategie „Mobilität für morgen“. So wurde die Initiative E-Mobility als Teil des Exzellenzprogramms „Agenda 4 plus One“ definiert. Die Schaeffler Gruppe bietet schon heute innovative Lösungen für Hybrid- und Elektrofahrzeuge an. Um einen durchgängigen Ansatz zu gewährleisten, wurde vor einigen Jahren das Systemhaus E-Mobilität geschaffen, in dem die vielfältigen Aktivitäten im Bereich alternativer Antriebsarten über alle Bereichs- und Ländergrenzen hinweg gebündelt werden. Diese Entwicklung wurde mit der Etablierung des Unternehmensbereichs E-Mobilität zum 01. Januar 2018 konsequent fortgeführt. Ergänzt werden die internen Aktivitäten durch Arbeiten an Forschungsinstituten wie dem SHARE am KIT, bei dem Ingenieure Lösungen im Bereich Energiespeicher, elektrische Antriebe und automatisierte Mobilität entwickeln. Auch das im Rahmen der FIA Formula E-Championship erworbene Know-how fließt in die Entwicklung von Elektromobilitäts-Technologien ein.

Von einzelnen Komponenten kommend entwickelt Schaeffler technologische Gesamtsystemlösungen für elektrifizierte Antriebe. Für rein batterieelektrisch angetriebene Fahrzeuge eigenen sich achs- sowie radintegrierte Antriebe. Während der elektrische Radnabenantrieb sich derzeit noch in der Vorentwicklung befindet, steht die elektrische Achse kurz vor der Serieneinführung. Die neu entwickelte E-Achse, wurde 2017 auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) vorgestellt. Mit der E-Achse hat Schaeffler eine modulare Lösung für Hybridfahrzeuge und reine Elektroautos erarbeitet. Bei der E-Achse mit eingängiger Übersetzung ist das Getriebe extrem kompakt ausgelegt und bietet daher viel Bauraum für die elektrische Maschine. Die Basiskonfiguration lässt sich durch zusätzliche funktionale Elemente wie bspw. einer Parksperre erweitern. Besonders bei Plug-In-Hybridfahrzeugen, bei denen ein dynamischer, rein elektrischer Betrieb bis 120 km/h und gleichzeitig eine hohe Endgeschwindigkeit gefordert sind, ergibt sich die Notwendigkeit eines zweiten Gangs. Eine Lösung hierfür bietet die von Schaeffler entwickelte Zweigangachse.

Im Sinne der elektrobasierten Mobilität bietet zudem die Elektrifizierung konventioneller Antriebsstränge erhebliches Verbesserungspotenzial. Eine relativ kostengünstige Lösung stellt dabei ein 48-Volt-System dar. Bei derzeitigen Serienfahrzeugen wird dieses anstelle des Startergenerators über einen Riemen mit der Kurbelwelle des Verbrennungsmotors verbunden. Schaeffler bietet für künftige Fahrzeuggenerationen die Integration des 48-Volt-Elektromotors auch in den Motor-Getriebe-Verbund sowie in die Achse an. Mit dieser Lösung können Autos elektrisch anfahren, rein elektrisch die Geschwindigkeit im Stadtverkehr halten und Bremsenergie zurückgewinnen, wodurch wertvolle Beiträge zum Umweltschutz geleistet werden.

Noch höhere Verbrauchseinsparungen sowie lokal emissionsfreies Fahren über längere Strecken ermöglicht ein Plug-In-Hybridantrieb. Schon seit 2010 liefert Schaeffler wesentliche Komponenten für ein solches Antriebssystem. Nun hat Schaeffler ein eigenes Hochvolt-Hybridmodul entwickelt, das unmittelbar vor dem Serienstart steht. Es erlaubt die Übertragung sehr hoher Drehmomente. Die Übertragung derart hoher Drehmomente ermöglicht eine patentierte Verzweigung des Kraftflusses innerhalb des Moduls. So ist ein Anfahren auch bei sehr hohem Fahrzeuggewicht komfortabel möglich.

E-Fahrzeuge benötigen neben dem mechanischen Aufbau eine Leistungselektronik, um die elektrische Energie anwendungsgerecht zur Verfügung zu stellen. Durch eine Kooperation mit SEMIKRON erweitert Schaeffler seine Elektronikkompetenz und ist mit bauraumoptimierten Leistungstechnologien in der Lage, elektrische Energie effizient umzuwandeln, zu steuern und ins Gesamtsystem zu integrieren. Alternative Antriebsformen erfordern zudem individuelle Software-Lösungen. Die Schaeffler Gruppe nutzt hier ihre Kompetenzen aus dem Bereich Engineering, um bspw. ein perfektes Zusammenspiel von Antriebsaggregaten auf Gesamtsystemebene zu erreichen.

Neben den elektrobasierten Antriebstechnologien steht bei den Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Schaeffler Gruppe die Steigerung der Effizienz und Leistungsfähigkeit von konventionellen Verbrennungsmotoren im Fokus. Ein Beispiel bildet das Thermomanagementmodul der zweiten Generation, das im Geschäftsjahr 2017 in Serie gegangen ist. Das Thermomanagementmodul regelt über sensorgesteuerte Drehschieber präzise den Temperaturhaushalt im Fahrzeug-Antriebsstrang und erlaubt ein schnelles Erreichen des für Motor und Getriebe idealen Temperaturfensters. Dies wirkt sich positiv auf den Kraftstoffverbrauch und somit die CO2-Emissionen aus. Aufgrund des optimierten Temperaturhaushalts besitzt das Thermomanagementmodul weiterhin einen positiven Effekt auf die Lebensdauer der Bauteile des Antriebsstrangs. Einen weiteren Hebel für die Verbrauchs- und damit Emissionsreduktion bildet die dynamische Steuerung der Motorventile. Die Schaeffler Gruppe hat hierzu einen elektrischen Nockenwellenversteller entwickelt und erfolgreich in Serie gebracht, der auch bei dynamischer Fahrt eine schnelle Verstellung der Einlassventile ermöglicht.

F&E in der Sparte Automotive Aftermarket

Die F&E-Aktivitäten der Sparte Automotive Aftermarket orientieren sich an den speziellen Bedürfnissen der Kunden im Service- und Ersatzteilgeschäft. Sie umfassen die Analyse des Reparaturbedarfs und -verhaltens der Märkte. Durch das breite und tiefe Verständnis der Schaeffler-Produkte ist der Automotive Aftermarket in der Lage entlang ganzer Systeme Lösungen anzubieten. Darauf aufbauend erstellen die Produktspezialisten, bestehend aus Ingenieuren und Kfz-Meistern, intelligente Reparaturlösungen, die der Werkstatt eine professionelle Reparatur in einer hohen Produktqualität ermöglichen.

Ein Ergebnis dieser F&E-Aktivitäten sind beispielsweise die Reparatur-Sets und KITs. Diese enthalten alle für eine vollständige Reparatur notwendigen Ersatzteile. Mit der Einführung der LuK GearBOX ist es zudem gelungen, die Getriebereparatur so zu vereinfachen, dass Werkstätten eine eigenständige Reparatur von Getrieben ermöglicht wird. Ein weiteres Beispiel ist die Einführung von Mixed Reality Anwendungen für die Werkstatt. Damit wird dem Kunden mit Hilfe eines Virtual Reality-Konzepts ermöglicht, einen Blick in die digitalisierte Zukunft des Automotive Aftermarket zu werfen.

F&E in der Sparte Industrie

In der Sparte Industrie ist der Megatrend Digitalisierung einer der wesentlichen Entwicklungstreiber. So wurde im Rahmen des Exzellenzprogramms „Agenda 4 plus One“ die Initiative Industry 4.0 entwickelt. Im Zuge von Industrie 4.0 setzt die Schaeffler Gruppe auf eine intelligente Vernetzung von Produktentwicklung, Produktion, Logistik, Kunden und Lieferanten. Die technische Grundlage hierfür bilden intelligente, digital vernetzte Systeme, mit deren Hilfe eine weitestgehend selbstorganisierte Produktion und ein optimierter Anlagenbetrieb künftig möglich werden: Menschen, Maschinen und Produkte kommunizieren und kooperieren direkt miteinander. Diese Kompetenz wird das Unternehmen in Zukunft für interne Prozesse nutzen und unter Beibehaltung des „klassischen“ Komponentengeschäfts für Kunden anbieten. Voraussetzung für den ganzheitlichen Erfolg von der mechanischen Komponente bis hin zu cloudbasierten Services bildet die Technologiekompetenz und das Verständnis des Gesamtsystems in der Anwendung.

Im Rahmen der Initiative „Industry 4.0“ präsentierte die Schaeffler Gruppe mit dem Smart EcoSystem auf der Hannover Messe eine digitale Infrastruktur für neue Geschäftsmodelle auf Basis digitaler Services, die die Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Prozessqualität der Maschinen und Anlagen erhöht. Aus technischer Sicht gliedert sich das Smart EcoSystem in drei Ebenen. Auf der untersten Ebene „Mechatronics“ finden sich die sog. smarten Komponenten, die u. a. mechatronische Produkte mit sensorischen oder aktorischen Zusatzfunktionen umfassen. Ein Beispiel dafür ist das VarioSense, ein mit einem Sensorcluster bestücktes Standard-Kugellager für die Erfassung von Maschinen- und Prozessdaten wie Temperatur oder Drehzahl. Auf der mittleren Ebene können diese Systeme durch eine Schnittstelle zu sog. „Virtual Twins“ verbunden werden. Die damit einhergehenden digitalen Services bieten vielfältige Nutzungsoptionen wie bspw. die Optimierung der Maschinenauslastung. Auf der obersten Ebene „Applications“ bietet das Smart EcoSystem Auswertungsmöglichkeiten, die u. a. für Optimierungen und Entwicklungen von neuen Produkten und Services genutzt werden können. Nutzenpotenziale liegen für – interne und externe – Kunden auf einer Erhöhung der Maschinenverfügbarkeit und der Produktivität, der Verringerung der Betriebs- und Wartungskosten, der Verbesserung der Prozessstabilität und -qualität sowie der Produktqualität.

Ein weiteres Erfolgsbeispiel aus dem Geschäftsjahr 2017 bilden Spindellager mit integrierter Sensorik. Ausfälle von Werkzeugmaschinen sind oftmals auf defekte Spindeln zurückzuführen. In diesem Zusammenhang entwickelte Schaeffler ein Sensorsystem mit dem Ziel Spindelausfälle zu vermeiden. Das komplett neu und spezifisch für den Einsatz in Werkzeugmaschinen entwickelte Sensorsystem misst mit einer hohen Auflösung die Verlagerung der Spindelwelle unter Last in fünf Raumrichtungen. Die gesamte Software sowie die zugehörigen Algorithmen sind in die Sensorik integriert. Bei einem Schadensfall erfolgt eine schnelle Abschaltung der Spindel, wodurch eine weitere Beschädigung der Spindel vermieden wird. Darüber hinaus wird der Maschinenbetreiber bereits von vornherein in die Lage versetzt, ungünstige Betriebsbedingungen zu erkennen, um seinen Bearbeitungsprozess gezielt zu verändern.

Neben den Aktivitäten rund um den Entwicklungsschwerpunkt Industrie 4.0 wurden in der Industriesparte weitere Initiativen forciert, wie z. B. die Optimierung und Neuentwicklung von Lagern für Windkraftanlagen. Auf die Lagerung des Rotors einer Windkraftanlage wirken betriebsbedingt enorme Beanspruchungen. Die Wälzlager sind hochdynamischen Belastungen und Betriebsbedingungen ausgesetzt. Für Momentenlager-Konzepte zur Lagerung des Rotors hat Schaeffler eine neue, kompakte Lagereinheit entwickelt. Diese anflanschbare Kegelrollenlagereinheit ermöglicht die sichere Aufnahme aller Kräfte und Momente in einem Lager dank großem Druckwinkel und enger axialer Führung des Rotors. Optional bietet Schaeffler zur digitalen Funktionserweiterung die Integration des sog. Grease-Check. Der Sensor dient der Zustandsanalyse des verwendeten Fetts und misst optisch Wassergehalt, Trübung und mechanischen Verschleiß sowie die Fetttemperatur direkt in der Lagerung.

Digitalisierung und IT

Der Megatrend Digitalisierung bringt durch die Verschmelzung von realer und digitaler Welt neue Herausforderungen – aber auch große Chancen in einem enormen Wachstumsfeld. Die Digitalisierung verändert die traditionellen Abläufe. Digitale Technologien werden sukzessive in der Forschung und Entwicklung, im Einkauf, in der Fertigung, in der Logistik, im Vertrieb sowie in den Funktionen Personal und Finanzen Kernbestandteil der Wertschöpfung. Die Schaeffler Gruppe hat deshalb im Rahmen der Strategie „Mobilität für morgen“ die Initiative Digital Agenda als Teil des Exzellenzprogramms „Agenda 4 plus One“ erarbeitet und implementiert. Zentrales Ziel ist die Verknüpfung der physischen mit der digitalen Welt. Bis 2020 sollen rd. 10 % der Wertschöpfung durch digital erweiterte Produkte und Services generiert werden. Für den Kunden entsteht ein Nutzenvorteil aus der Kombination von Big-Data-Analysen und dem fundierten Anwendungs-Know-how von Schaeffler. Um interne Prozesse zu optimieren sowie einen Mehrwert für externe Kunden zu generieren, werden bestehende Geschäftsmodelle erweitert und neue, digitale Geschäftsmodelle entwickelt und umgesetzt. Dazu stattet die Schaeffler Gruppe ihre Komponenten mit Sensoren, Aktuatoren und Steuergeräten inkl. zugehöriger Software aus. So werden zukünftig Daten über den Zustand und das Verhalten von Maschinen oder Anlagen erfasst und verarbeitet.

Qualifizierte Mitarbeiter bilden die Basis für die erfolgreiche Umsetzung der Digitalen Agenda. Neben den vorhandenen Spezialisten konnte die Schaeffler Gruppe im Geschäftsjahr 2017 eine Vielzahl an „digitalen und IT-Talenten“ gewinnen und strebt den Aufbau eines signifikanten Talentpools an. Um die Aktivitäten in geeigneter Weise zu bündeln, wird der Standort Nürnberg zu einem IT-Campus umgewandelt. Auf dieser Grundlage wird eine Konsolidierung der IT-Kompetenzen angestrebt. Zur konzernweiten und funktionsübergreifenden Koordination und Umsetzung der Digitalisierungsprojekte hat die Schaeffler Gruppe ein zentrales Projektmanagement etabliert. Diese „Koordinationsstelle Digitalisierung“ steuert den Auf- und Ausbau der digitalen Aktivitäten im Zuge der „Digitalen Agenda“ und ist im neu bezogenen „Digital Home“ in Herzogenaurach zentral beheimatet.

Den Ausgangspunkt der „Digitalen Agenda“ bildet der Kunde. Die neuen digitalen Geschäftsmodelle werden am Nutzen des Kunden ausgerichtet. Die Schaeffler Gruppe fokussiert auf vier Bausteine, die die zentralen digitalen Geschäftsszenarien bilden. Zu allen Bausteinen wurden im Geschäftsjahr 2017 Projekte initiiert:

Produkte & Services: Mittels Sensorik erzeugter Daten werden bestehende Produkte funktional erweitert. Durch die Verbindung von Produkten mit der Cloud strebt die Schaeffler Gruppe zusätzliche Wertschöpfung an. So wird für den Bereich Wind gemeinsam mit den Experten aus der Sparte Industrie eine Plattform für Digitale Services entwickelt, die es Windparkprovidern ermöglicht, Windkraftanlagen effizient zu überwachen.

Maschinen & Prozesse: Im Bereich der Produktion werden Prozesse durch die digitale Unterstützung der Menschen und die Vernetzung von bspw. Maschinen oder Transportfahrzeugen kontinuierlich verbessert. Die Schaeffler Gruppe zielt auf eine durchgängige Nutzung der Daten ab. U. a. werden serviceorientierte Angebote für den Kunden geschaffen. Ein sog. „Digital Shadow“ stellt das digitale Abbild mit historischen und Echtzeitinformationen eines Prozesses dar, um den Prozess zu verstehen, quantitativ zu visualisieren und zu optimieren. So wurde am Standort Berndorf, Österreich, ein erster Pilotversuch zur Implementierung eines ganzheitlichen Energiemanagements in der Fertigung durchgeführt, wodurch ein signifikanter Anteil an Energie eingespart werden konnte.

Analysen & Simulation: Aus dem Zusammenspiel von Primärdaten und dem Branchen- und Anwendungs-Know-how der Schaeffler-Spezialisten werden durch Analysen wertschöpfende Informationen gewonnen. U. a. wurde im Geschäftsjahr 2017 eine automatisierte Akustik-Analyse entwickelt, die Qualitätsschwankungen in Produkten erkennt. Aufgrund der Komplexität und begrenzten Reproduzierbarkeit manueller Tests werden durch diese Automatisierung deutliche Effizienzsteigerungen erzielt. Zur Auswertung der gemessenen Big Data werden im Sinne von Data Analytics effiziente Algorithmen genutzt. So konnte beim Kugelgewindetrieb die Fertigungsgenauigkeit erheblich gesteigert werden. Mit diesem Ansatz konnte auch im Bereich Sales Forecasting eine Verbesserung der Genauigkeit der Lagerinventarplanung erreicht werden. Dies erfolgte durch ein Training des Modells auf Zeitreihen vergangener Bestellungen und einer Verknüpfung der Forecast-Modelle mit Expertenwissen und künstlicher Intelligenz.

Nutzererlebnis & Kundenwert: Die Mensch-Maschine-Interaktion ist ein wesentlicher Produktivitätsfaktor der digitalen Welt. Ziele sind primär das schnelle Erkennen und Lernen sowie zielgerichtete Interaktionen zwischen Anwender und Maschine. So ermöglicht ein sog. „Digital Twin“ eine digitale Repräsentation einer physischen Entität oder eines Systems entlang ihres Lebenszyklus. Damit stellt er ein Abbild dar, um gesamtheitlich über die Geschäftsprozesse Daten und Funktionalitäten auszutauschen oder zu integrieren. Ein Anwendungsbeispiel bildet das Engineering Cockpit, wodurch der Entwicklungsprozess beschleunigt und qualitativ verbessert wird. So wird z. B. der Aufwand beim Konfigurations- und Änderungsmanagement reduziert. Im Vertriebsbereich schafft das Supply Chain Cockpit eine personalisierte digitale Arbeitsumgebung, die durch modular adaptierte Daten aus verschiedenen Quell-Systemen übergreifende Prozessoptimierungen ermöglicht. Weiterhin konnte im Bereich Augmented & Virtual Reality im Zuge einer Kooperation mit der FAU die Umsetzung erster Prototypen in der Instandhaltung, dem Sondermaschinenbau und der Werkzeugmontage erreicht werden.

Zur Umsetzung der vier Bausteine bedarf es einer geeigneten IT-Umgebung. Um die Schaeffler IT für die zukünftigen Herausforderungen erfolgreich aufzustellen, wurde im Rahmen des Exzellenzprogramms „Agenda 4 plus One“ die Initiative IT 2020 entwickelt. Die Ziele der Initiative liegen auf einem schnellen Aufbau der informationstechnischen Voraussetzungen für die Digitalisierung, für die Erneuerung und Weiterentwicklung der Applikations- und Infrastrukturlandschaft sowie für den Wandel der IT-Rolle im Unternehmen vom internen Dienstleister zum strategischen Business-Partner und integrativen Gestalter der digitalen Geschäftsmodelle. Dazu sind organisatorische Voraussetzungen mit klaren Verantwortlichkeiten notwendig, die durch die Initiative Process Excellence als Teil der "Agenda 4 plus One" geschaffen werden. Zur Umsetzung von „IT 2020“ wurde im Geschäftsjahr 2017 der neue Organisationsbereich „Strategische IT“ etabliert, der die Initiative zentral verantwortet und somit eine effiziente Umsetzung gewährleistet.

Im Rahmen der Initiative „IT 2020“ erfolgt führend der Aufbau der digitalen Plattform zur Schaeffler-eigenen integrierten Cloud Lösung, die auf Basis von führender IBM Technologie über ihre weltweite Verfügbarkeit die Basis für das zukünftige digitale Ökosystem sicherstellt. Damit wird die Grundlage für die Realisierung von neuen digitalen Standards und Lösungen geschaffen. Ergänzend wird die Harmonisierung des IT-Architekturmodells zur An- und Einbindung weiterer IT-Standardlösungen wie SAP S/4 HANA, Microsoft Office Lösungen oder IT-Security-Lösungen geschaffen. Die Ausweitung der IT-Prozesse erfolgt mit dem speziellen Fokus auf smarte Produkte, Prozesse und Dienstleistungen und den Betrieb von erweiterten Embedded Systems Lösungen.

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